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Kann man diese Piratenpartei noch retten?

Ich meine ja und will das auch begründen.

Die Umstände, die zur Gründung der Piratenparteien geführt haben, sind doch weltweit die Gleichen:

 

  • Widerstände gegen Gängelung, für ein selbstbestimmtes freies Leben.
  • Widerstand gegen Überwachung und Einschränkung der netzneutralen Nutzung des Internets.
  • Widerstand gegen die sinnfreie Ausnutzung der Ressourcen unseres Planeten und die damit verbundene Verwerfung der Lebensbedingungen der Menschen.

Natürlich ist das verbunden mit dem Glauben an die unabdingbare Gültigkeit von Menschrechten und dem Gleichheitsprinzip.

Daher haben sich viele Gruppen gebildet, die auf ihre Art dazu beigetragen haben, Lösungsansätze zu finden, um die Lebensbedingungen mit demokratischen und friedlichen Mitteln zu verbessern. Dazu gehört auch der „Marsch durch die Institutionen“; denn in der Regel ist es der (geänderte) gesetzliche Rahmen, der erst zu den Lebenssituationen führt, die wir vorfinden.

Dabei wirken wir in Deutschland auf einem hohen Niveau, vergleicht man die Bedingungen weltweit. Aber irgendwer muss schließlich anfangen, den Weg der Veränderung zu gehen. Mit kleinen Schritten gelingt das bereits kommunal.

Viele Gruppen bestehen aus Aktivisten, denen ein bürokratischer Rahmen einer Partei zuwider ist. Das ist legitim, bedeutet aber nicht, dass man nicht nachhaltig zusammenarbeiten könnte.

Hier liegt das Potential, dass man eine demokratisch verfasste Gesellschaft zum Guten verändern kann. Hier liegt das Potential der Piratenpartei.

Schauen wir uns um: Piraten dümpeln, sind aber nicht tot. Die Piraten in Tschechien haben gerade eindrucksvoll bewiesen, wie lebendig und unbequem man für die etablierte Politik sein kann. Knapp 600 Piraten muss man erst einmal in die Parlamente bringen und das als Kleinpartei.

Die Piratenpartei Deutschland hat nicht nur Gruppen, die unsere Organisation nach vorne bringen wollen. Wir haben Extremisten, wir haben Blockierer und wir haben regelrechte Menschenfeinde in unseren Reihen. Und ich bin sicher, dass wir auch durch Unterwanderung von bezahlten Kräften angegriffen wurden und werden (allerdings werde ich daran gehindert, das nachzuweisen).

Unsere Stärke, dezentrale Ressourcen zu schaffen, die Fähigkeit spontan Aktionen zu starten und diese zu koordinieren, ist fast vollständig zum Erliegen bekommen.

Wer heute eine gute Idee umsetzen möchte, tut das im Geheimen und anonym, um sich nicht dem Unbill in den von uns genutzten sozialen Medien auszusetzen; blockiert zu werden, Beauftragungen oder administrative Zugänge zu verlieren oder dubiosen Ordnungsmaßnahmen ausgesetzt zu werden.

Die Regel, dass der „Fisch zuerst am Kopf stinkt“ wird hier seit Jahren erfolgreich bewiesen. Viele Bundesvorstände haben sich als völlig unfähig erwiesen, ihre Aufgabe zu erfüllen, für die sie gewählt wurden oder sie haben ihre Position missbraucht, um missliebige Personen aus dem Wege zu räumen. Und wer nicht aktiv mitmacht, stimmt im Stillen zu, dass es solche Machenschaften gibt.

Man merkt die Lust am Abriss des einst blühenden Hauses. Jede Struktur, jede Ressource die funktioniert, aber nicht repressiv und zentralisiert beeinflusst werden kann, wird mit allen Mitteln angegriffen. Das steht im Widerspruch zum einstigen „Denk selbst“, „Mitmachpartei“ und „Du hast den Job“.

Der Aderlass an wertvollen Fachleuten, die sich angewidert abgewandt haben, ist kaum noch zu reparieren. Sei es IT, grafische Gestaltung, Text, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Die sind bestimmt nicht alle gegangen, weil die „Bezahlung so schlecht war“.

Die Piratenpartei ist ein Schatten Ihrer selbst, ich bin seit fast 10 Jahren an vorderster Front mit einem kritischen Blick dabei und erlaube mir, hier ein Urteil bilden zu können.

Wir haben verlernt, uns solidarisch gegen diese Kräfte zu verbinden.

Wir brauchen einen Aufbruch, einen Zusammenschuss der Willigen, denn wir sind mehr als wir denken. Warum probieren wir es nicht einfach?

Es stehen jetzt Wahlen zum Bundesvorstand an. Hier gehören zunächst einmal Fachleute rein, die Aufgaben bewältigen können. Und wir brauchen Lautsprecher, die unsere politischen Ideen im Land verbreiten.

Die bevorstehende Europawahl ist kein Last, sondern eine exzellente Möglichkeit zu zeigen, dass wir mehr sind, nämlich ein Teil vom ganzen Europa. Das hat bisher wohl kein Bundesvorstand begriffen.

Also lasst es uns tun, deswegen kandiere ich aus Notwehr und mache auch gerne Platz für einen Besseren.

 

 

Ein gebrochenes Rückgrat mit Verstärkung

Ja es kommt vor, dass jemand kein Rückgrat hat, also bei der kleinsten Schwierigkeit einbricht. Ich bin mir Sicherheit bekannt dafür, genau das Gegenteil zu verkörpern.

Rückgrat haben – also den aufrechten Gang leben – war mir schon immer wichtig und das kann man mir auch nicht nehmen. Und doch macht einem die Natur ein Strich durch die Rechnung, wenn es bricht, das Rückgrat.

Der Bruch ist nicht symbolisch gemeint, sondern endete auf dem OP-Tisch, wo ich die Mediziner mindestens fünf Stunden beschäftigt habe. Danach hatte ich viel Metall und Knochenzement im Körper.

Es war nicht nur eine schwierige Operation, sondern auch die lange „Bettruhe“ war sehr nervig. Also alles, was Ver- und Entsorgung sowie Bewegung eines Menschen zu tun hat. Man braucht keine Fesseln. Man bleibt liegen und denkt nach.

Mein „Nachdenkprozess“ läuft ja ohnehin schon eine Weile und  betrifft nicht nur mein Privatleben, sondern auch die Verknüpfung mit der Piratenpartei.
War es ein Fehler, so viel Energie, Ressourcen, Zeit und Seele zu „investieren“? War es überhaupt eine Art von (positivem) „Investment“? Oder hat einfach nur der kühl rechnende Kopf versagt und der Bauch war der Meinung, „frag nicht, mach‘ es einfach“?

Bei dem Sturmgewitter, was beinahe täglich auf einen einprasselt, die Sticheleien bei fast jeder Sitzung und die meist unverschämten Mails, die man so bekommt, muss man dieses Rückgrat haben und es zeigen.
Gerade in Zeiten, wo das Rückgrat buchstäblich zusammengebrochen ist und einen fast jeder für verrückt erklärt, wenn man Mumble-Sitzungen vom Krankenbett aus überträgt.

Und man muss dieses Rückgrat zeigen, wenn einem eine kleine Gruppe von Funktionären schweren wirtschaftlichen Schaden zufügen will, vermutlich um einem die Grundlage des Brotjobs zu entziehen und auch gesellschaftlich fertig zu machen. Da bin ich nicht der einzige, der das gerichtlich klären muss.

Und nicht nur das, sondern natürlich setzt man alle Hebel in Bewegung, um einen auch noch aus der Partei zu werfen. Da merkt man doch wie viel Frei- und Lebenszeit bei anderen vorhanden ist.
Warum man diese Energie nicht z.B. in die Verwaltung und die Organisation der Piratenpartei investiert und nicht die Arbeitsfähigen und Arbeitswilligen mit aller Kraft unterstützt (und den Weg frei macht), weiß ich nicht.

Die Aufbesserung der Finanzen erwarte ich ohnehin nicht, das macht bestimmt die Heinzelmann GmbH & Co. KG.

Also liebe Freundinnen und Freunde: betrachtet dieses gebrochene Rückgrat jetzt. Es ist jetzt verstärkt worden und wenn der Schmerz es zulässt, ist es besser denn je. Ein Versprechen, das gilt.

Mal in eigener Sache

Die letzten Tage und Wochen waren sehr abwechslungsreich. Einerseits hat der Bereich „Technik“ erhebliche Fortschritte gemacht, ein Umzug wurde gestemmt, ein neues Studio entsteht und das Wetter ist höchst sommerlich.

Andererseits gab es auch wieder Unangenehmes. Irgendeine spannende Kraft versucht einen aus der Partei hinauszuwerfen – der x-te Versuch, wenn ich mich richtig erinnere. Natürlich alles schön konspirativ, damit der „Überraschungseffekt“ nicht verloren geht. Vermutlich kommt die Post wieder nicht an bzw. wird gar nicht erst abgeschickt und schwuppdiwupp hat man wieder eine vorläufige Entscheidung auf dem Tisch.

Die Affäre BDSB hat ihr Déjà-vu, nur dass hier wohl jetzt „bis zur letzten Patrone gekämpft wird“. Egal mit welchen Mitteln – ad hominem at its best. Betroffen macht die Vehemenz, wie hier gelogen wird.

Da wird es bestimmt den einen oder anderen Protagonisten freuen, dass mein „Hexenschuss“ ein Wirbelbruch ist, der jetzt in einer aufregenden Operation geflickt werden muss. Na dann mal Prost. Da werden die Korken knallen und das eine oder andere Likörchen vertilgt werden.

Ich verschwinde also für ein paar Tage von der Bildfläche und bin mir nicht ganz sicher, dass ich beim nächsten Spiegelbild-Betrachten noch die Frage beantworten kann, warum man sich das hier eigentlich antut.
So viel Energie, wie einige Bereiche investieren, um einen zu diskreditieren und auszugrenzen fehlt an anderer Stelle. Aber dann müsste man ja nicht vom Neid zerfressen sein, sondern Konzepte für eine erfolgreiche Partei auf dem Tisch haben.

Insofern passt auf Euch auf.

Private Server

Man weiß ja nie, ob man wirklich ranten sollte.

Aber eine Frage sei doch erlaubt: Was sind denn nun diese sogenannten „privaten Server“ in dieser Piratenpartei?

Gibt es da vielleicht einen Unterschied zwischen „ich habe den im Keller zu stehen“ oder der steht in einem Rechenzentrum?

Es kann einem ja eigentlich auch egal sein. Aber diese seltsamen Meinungen kommen immer wieder bei Piratens auf: Was nicht bei der Bundes-IT, der NRW-IT oder der Bayern-IT in einem Großrechenzentrum angemietet oder für noch mehr teuer Geld in ein Rack verbaut worden ist, ist dann wohl ein „privater Server“. Aha.

Also mein „Stall“ besteht seit 24 Jahren und wir tun das, was 1&1, Strato, Hetzner, OHV etc. seit Jahren auch tun: Wir machen Hosting, wenn auch wesentlich kleiner, dafür aber feiner. Also eine Internet Service Provider (ISP) im besten Sinne.

Was kann man denn alles erwarten: Dedizierte Server, Managed Server, Shared Server und eine Menge an Applikationen, um die wir uns kümmern. Das lastet bei uns eine gute zweistellige Zahl an Servern in vier verschiedenen Rechenzentren aus. Und einige Terrabytes an Traffic zeigt, dass die $Dinge wohl funktionieren. Alles nach strengen Datenschutzregeln. Unsere Kunden sind sehr zufrieden bei 99,99% Verfügbarkeit. Was will man mehr?

Sehen wir uns dagegen mal die Piratenpartei Deutschland an:

Hier gibt es eine extrem überlastete Bundes-IT, die sehr wenig Unterstützung bekommt und versucht, die im Rack eines Serverprovider stehenden x-Maschinen, so gut wie möglich zu warten. Jeder Zusatzwunsch muss quasi zum Selbsterhalt abgelehnt werden. Für Dokumentation und Verfahrensbeschreibungen ist genau Null Zeit vorhanden. „Was soll man denn noch alles machen?“

Btw.: Ich habe bisher auch noch von keinem Landesverband der Piratenpartei irgendwelche Verfahrensbeschreibungen gesehen.

Datenschutz? Sorry, aber dafür hat man leider keine Zeit – siehe oben.

Das ist schon eine ziemlich verfahrene Kiste.

Was mich aber wirklich aufregt, dass da zwei völlig schmerzbefreite Damen daher kommen und unser Unternehmen quasi diffamieren, wir würden „private Server“ betreiben und „bei uns sei der Datenschutz nicht gewährleistet“. Aha. Das sind genau die Damen, die jeden Scheiß zu „Archive.org“ hochladen. Ach was? Also man lädt man jegliche Daten in eine Cloud hoch, die vermutlich irgendwo in den USA gehostet wird, auf der jeder Dackel Zugriff hat, die weder Datenschutz noch Datensicherheit vs. Backup kennt.

Ja, das sind schon Experten. Aber das mit der Diffamierung  darf man einfach nicht durchgehen lassen. Egal, was das für selbsternannte oder gewählte Experten sind. Es ist einfach unerträglich.

„Jamaika geplatzt“ ja und?

Ich finde es zumindest interessant, dass eine große Mehrheit der Wähler davon überzeugt war, dass eine „Jamaika-Koalition“ auf Bundesebene irgendwas wäre, was man in der derzeitigen Politiklandschaft akzeptieren könnte.

Man fragt sich dann schon, inwieweit Mensch völlig merkbefreit ist. Hier geht es nur um Machtinteressen und Ressourcen. Oder platt gesprochen um die eigene Kohle der Politiker. Man glaubt ja gar nicht, wie viele Menschen und Familien davon betroffen sind, wenn man aus dem Bundestag (oder Landtag) fliegt, aka nicht wiedergewählt wird.

Und da kommen natürliche maximal Neoliberale von der Sorte eines Lindner und Kubicki ins Spiel. Hey, nur weil einer sich beim Herrenausstatter für schicke Wahlplakate einkleiden lässt, heißt es ja noch lange nicht, dass der Mann eine „gute“ Koalition befruchten oder gar ein Ministeramt bekleiden könnte. Und warum müssen eigentlich Parteivorsitzende immer in einer Regierung sitzen?

Machen wir doch mal ein anderes Gedankenspiel auf:

Was wäre denn, wenn der Herr Bundespräsident dem Bundestag einfach mal diese Frau Merkel zur Wahl als Bundeskanzlerin vorschlägt und sie ebenso einfach gewählt wird. Also ganz ohne diesen ganzen Sondierungs-Striptease. Wo steht übrigens irgendwas von „Koalition“ im Grundgesetz?

Nehmen wir weiter an, die Frau Merkel wird tatsächlich „aus Versehen“ gewählt. Dann hätten wir ja schon fast eine Regierung. Nun müsste man nur noch ein paar Fachleute (also möglichst die ohne Parteibuch) anwerben, damit diese Minister werden (geht ohne Bundestag).

Und schwupps, wir hätten eine  Bundesregierung ohne Parteigedöns und ohne dass da irgendjemand auf einen verblödeten Parteitagsbeschluss einer Deppenpartei Rücksicht nehmen müsste.

Genialer Hack, oder?

Nachbetrachtung zur Kandidatur

Ich habe mich getraut zum 1V der Piratenpartei Deutschland zu kandidieren, obwohl ich aufgrund der Mehrheitsverhältnisse chancenlos war. Auch in der Nachschau war das absolut richtig. Schon der Ort für den Bundesparteitag (Regensburg) birgt die Gefahr der Unausgewogenheit. Da muss man sich nur die Zahlen der Akkreditierten ansehen. Und natürlich – wenn wir schon den zu begrüßenden Umstand pflegen, ohne Delegierte auszukommen – darf man wohl die Frage stellen, warum 2-3 Landesverbande die „Macht“ haben, alles zu bestimmen. Den Rest bestimmt der Ort des Parteitages. Wir haben international eine gute, wenn auch anstrengende Sitte, „One Country –  One Vote“. Man muss es nicht gleich übertreiben, aber der Akkreditierungsfaktor könnte durchaus berücksichtigt werden, manche erschaffen ja ganze Ungetüme als Wahlverfahren.

Aber zur Sache: Meine Rede war eindringlich und beinhaltete einiges an „ dass er den Vorstand umkrempeln und viele Dinge anders machen möchte, die Piraten abholen und Basis wieder unter einen Nenner zu bringen möchte“ (Zitat Flaschenpost).

Ich hatte eine lange Rede vorbereitet und die einfach vorher wegegeschmissen. Ein kleiner Zettel war völlig ausreichend, daher hab ich mich diesmal an dem Mikrofon sehr wohl gefühlt. Die Änderung, die Reihenfolge der Kandidaten nicht auszulosen war logisch, denn ich komme immer als Erster dran. Das nervt, macht aber widerstandsfähiger. 😉

Dazu gehörten auch die drei Fragerunden. Dass der ehemalige 1V ausfällig wurde und ein paar Menschen mir unlautere Motive unterstellt haben, gehört wohl dazu. Selbst der Umstand, dass ich im Gegensatz zu allen anderen Kandidaten erklärt habe, dass ich mich (schon seit langem) von meinem Büro unterstützen lasse und ohne eigenes Team die Übernahme eines BuVo-Amtes überhaupt nicht möglich sei, war wohl eine Steilvorlage für die Meckerköppe, weil ich die Namen der Mitarbeiter nicht genannt habe. Ich würde es mir als Mitarbeiter auch verbeten, dass öffentlich mein Name genannt wird! Aber so ist das eben in einer Datenschutzpartei, die sich um den Datenschutz nicht wirklich kümmert und deren Mitglieder die Leute ausspionieren. Das machen beileibe nicht alle, aber einige mit wichtigen Positionen.

Eine schöne Frage war die nach unseren Kernthemen: Ich habe da nur eines: „Freiheit“. Wir sind nach wie vor die einzige Partei, die das Freiheitsthema stringent besetzt. Unter „Freiheit“ lässt sich alles subsummieren. Ob es Privacy, Datensicherheit, Menschenrechte, Frieden, Selbstverwirklichung durch Arbeit (und damit ist nicht nur Erwerbsarbeit gemeint), Grundeinkommen,  Gesundheit oder ein würdevolles Leben im Alter ist u.v.a.m.. Vielleicht nicht in dieser Reihenfolge, aber das kann man ja ausdiskutieren.

Und da sind wir beim nächsten Punkt: Diskutieren. Die Vorstände – und genau diese – sind und waren für die Organisation eines geordneten Diskussionsprozesses zuständig.  Auch beim BPT in Halle 2014 habe ich den umgehend (100 Tage) gefordert und die Organisation desselben angeboten. Ja, z.B. mit Onlineparteitagen – auch wenn man da bestimmt ein Haar in der Suppe finden kann.

Wir nervig waren diese ganzen Ausreden, warum man keine Onlinebeteiligung hinbekommen hat. Meiner Meinung nach war das nur ein Gedöns um die eigene Faulheit, Ideenlosigkeit und die Furcht vor der Basis. Da ist es doch schon „besser“, diese nur maximal zweimal im Jahr zu ertragen, indem man Ihnen einige wenige Minuten Redezeit zugesteht, wenn es die Tagesordnung zulässt.

Und man kann zornig werden, wie jetzt die AG-Arbeit gekuschelt wird, hat man doch seit Anbeginn der Zeit den AGs jeden Zugang zu Ressourcen erschwert bzw. unterbunden und deren Arbeit auf Parteitagen niedergemacht. Selbst die seit 2010  funktionierende Selbstverwaltung wurde so diskreditiert, bis sie nur noch ein Schatten Ihrer selbst ist. Das System der Themenbeauftragten mag es einem Bundesvorstand ja einfacher machen, Informationen nach außen zu tragen. Aber AGs spielten da keine Rolle, bis heute nicht. Bis auf ganz wenige Ausnahmen wird nur die eigene Meinung als Pressemitteilung oder Blogbeitrag verkauft und als Elaborat eines intensiven Diskussionsprozess dargestellt. Man denke da nur an „Internationales“, das hier kaum jemanden interessiert, obwohl es unsere DNA bestimmt.

Wir werden sehen, ob es jetzt möglich ist, dass wir endlich zu geordneten Verfahren kommen, ich habe nach wie vor meine Zweifel; obwohl der intellektuelle Anteil im gewählten Bundesvorstand gestiegen ist und möglicherweise gibt es sogar technischen Sachverstand. Das mit dem Datenschutz klärt sich am 4. Mai 2018 von ganz alleine. Unabhängig davon klage ich auf die Einhaltung meines Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung weiter, egal was da ein 1V an Fakenews verbreitet.

Mein Wahlergebnis hat mich jedenfalls nicht entmutigt, beinhaltet es die Antwort auf alle Fragen: 42.

 

Warum Piraten wohl ein schlechtes Image haben

Zwei Beispiele aus dem Alltagsleben machen vielleicht deutlich, dass auch ein noch so gutes Programm in Sekundenbruchteilen bedeutungslos werden kann:

1. Regensburg Bundesparteitag.

Irgendwann wird klar, dass man im Halteverbot steht (wenn auch nur durch Richtungspfeile gekennzeichnet, die von den parkenden Fahrzeugen verdeckt werden). Die Polizei ist fleißig und will sich den Umsatz der rund 20 Delinquenten nicht entgehen lassen, aka sie tut ihre Pflicht.

Ich erkläre dem Beamten höflich die Situation, er ist genauso höflich und belässt es bei einer Belehrung. Dann tritt ein ungepflegt aussehender Pirat hinzu und beschimpft den Beamten, dass er es nur auf Piratenpartei abgesehen hätte und die in der Nähe beim Kirchgang befindlichen Menschen verschont. Es folgt eine Tirade an Verschwörungstheorien.

Ich fahre weg und suche mir einen jetzt freigewordenen legalen Parkplatz. Der „Pirat“ darf sich einer eingehenden Befragung stellen. Ob sich eine erkennungsdienstliche Behandlung anschließt, konnte ich nicht mehr verfolgen. Aber bei der Lautstärke durchaus vorstellbar.

2. Twitter zum BPT Regenburg

Ein Pirat mit Hang zur Selbstdarstellung twittert irgendwas von „Pimmelliste“ und meint wohl die Liste der Mitglieder des Bundesvorstandes. Keine Pointe.

Selten habe ich eine Organisation erlebt, deren Mitglieder zu einem erheblichen Teil mit dem ICE durch die Kinderstube gerast sind. Da muss man sich dann über die Außenwirkung nicht mehr wundern.

 

13,37%

Diese Bundestagswahl hat mit ihrem Ergebnis das Land bereits verändert. In Brandenburg geht die Ratlosigkeit um und wenn hier nicht ganz schnell Stringenz, politische Verlässlichkeit, Transparenz beim Regierungshandeln und die Einsicht in das, was die Bürger in ihre Mehrheit wünschen einkehrt, ist das hier nur der Anfang einer ganz unangenehmen Entwicklung. Alles scheint aus den Fugen geraten zu sein. Berlin ist absolut kaputt, nicht einmal eine Wahl kann man vernünftig auszählen. Und Autos zulassen auch nicht.

Umso mehr erschüttert das extrem schlechte Abschneiden der Piraten bei der Wahl mit mickrigen 0,37%. Gefühlt hat man das nicht verdient. Aber es hat Ursachen. Am Programm kann es nicht gelegen haben, da andere Parteien auch Programme pflegen und sich kaum jemand dafür interessiert.

Aber wie soll man denn einem Wähler vermitteln, diese Piratenpartei zu wählen, wenn man es den eigenen Mitgliedern schon nicht erklären kann.

Wie haben uns von Transparenz, Teilhabe, Mitmachpartei, Freude an der Politik vor langer Zeit verabschiedet. Immer neue Strukturhürden, Ausgrenzungen der Mitmachenden, technische Probleme, eigenwillige Mitgliederverwaltung, frei drehende Vorstände lassen kaum noch die Lust darauf entstehen, hier irgendeinen Beitrag leisten zu wollen.

Der LV Brandenburg ist da quasi Vorreiter, aber auch in der Bundespartei und anderen LVs kann man diese Dinge leicht erkennen. Dazu kommt die unglaubliche Sturheit, bekannt falsche Konzepte immer wieder zu wiederholen, sowie eine völlig unzureichende Fehleranalyse und -kultur. Eben Lernen mit Schmerz, ohne zu lernen. Man kann fast nirgendwo planhaftes Vorgehen erkennen, obwohl es Pläne gibt. Nur ein Beispiel von vielen: Seit Februar waren die Plakatentwürfe quasi fertig. Kurz vor der Wahl kamen dann nennenswerte Stückzahlen per Express oder auf verschlungenen Wegen bei den Akteuren an. Schön, dass dann schon fast alle Laternen besetzt waren.

Diese Partei ist genauso kaputt wie Berlin, auch hier funktioniert nur alles irgendwie, kaum jemand weiß warum überhaupt etwas funktioniert und wer eigentlich was macht.

Einzig die verfestigten „Privatstrukturen“ bei Technikern, nahestehenden Vereinen und Gruppen sorgen noch für einen gewissen Grad an Verlässlichkeit.

Zieht da jemand Konsequenzen? Hat jemals jemand aus der Tatsache Konsequenzen gezogen, dass jahrelang keine finanziellen Tätigkeitsberichte gehalten wurden, dass Hunderttausende Euros einfach in den Orkus gekippt wurden und jede echte Beschlusskontrolle?
Vorstände und Beauftragte, die egal ob zulässig, einfach IHR Ding machen, frei nach dem Motto „verklag mich doch“. Und bei unseren Schiedsgerichten wird das solange durchgekaut, bis Zeitablauf eingetreten ist; oder man ist „Gott“ und hat keine Berufung zu befürchten.
Ein Shop, der sich beharrlich weigert, Schlussabrechnungen zu präsentieren, ist auch so eine Sache.

Letztlich hat das Konsequenzen, aber nicht bei den Verantwortlichen, sondern bei den Mitgliedern, die austreten. Und diejenigen, die mit diesem Gedanken spielen, warten beharrlich auf bessere Zeiten, ziehen sich aber komplett zurück. Der alltägliche, allgegenwärtige Wahnsinn in dieser Piratenpartei.

Kehren wir mal zumindest innerparteilich zum Anfang zurück: Transparenz, Teilhabe, Mitmachpartei, Freude an der Politik und blockieren nicht jeden, der Ideen hat, der tatkräftig unterstützt oder mitdiskutiert. Versuchen wir das mal ohne einen enormen Reibungsverlust, durch dämliche Bürokratie nebst einem nervenden Ticketsystem. Alles nach dem Motto keep-it-simple.

Dann hat man plötzlich innerhalb von einer Stunde eine funktionierende, Internetdomäne mit Webpräsenz, anstatt wochenlang auf eine Reaktion auf ein herumjammerndes Ticket zu warten. Nur mal so ein Beispiel von ganz vielen. Zusammengenommen haben wir sehr viel Kompetenz und Ressourcen, aber die letzte „Innovation“ war Mumble und Etherpad vor 8 Jahren!

Bis heute können wir unsere Meinung bundesweit nur ein- bis zweimal auf einem Präsenzparteitag äußern, wenn einem nicht das Mikro nach 60 Sekunden abgedreht wird. Das ist so traurig und so einfach zu ändern.

0,37 % können wir auch ohne jeglichen Wahlkampf erreichen. Allenfalls benötigen wir die Unterstützerunterschriften unserer eigenen Leute mit Anhang.

Silberrücken

Habe ich da eine Fehlwahrnehmung? Schaut Euch um, Parteitage, Hauptversammlungen, Stammtische, Meetings. Früher war da mehr junges Gemüse und die Silberrücken (Generation 50+) haben sich zurückgenommen („Macht mal, wir sind nur das Backoffice“).

Jetzt, Jahre später dominieren „die Älteren“ deutlich alle Treffen, zumindest zahlenmäßig. Und Barrierefreiheit bekommt eine ganz neue Bedeutung.

Warum ist das so?

Haben die jungen Leute erkannt, dass „Partei“ ein ganz dickes Brett ist, was man da zu bohren hat? Also viele Jahre werden benötigt, um etwas zu bewegen und man muss sich wirklich (auch ökonomisch) etablieren. Nichts für Aktivisten? Vermutlich. Daher bleiben wohl nur die Silberrücken, die eigentlich Geduld gelernt haben.

Bleiben wir also bei den Silberrücken.

Bis auf Ausnahmen sind die mir bekannten Mitstreiter alle recht „capable“ sei es geistig oder wirtschaftlich. Was könnten wir da nicht alles erreichen?

Es gibt doch für jede Aktion drei Grundlagen:

  1. Zeitressource
  2. Finanzielle Ressource
  3. Organisationserfahrung

Ich denke bei b) und c) haben die Silberrücken einiges zu bieten, sie müssten sich nur mehr vernetzen.

Bleibt Grundlage a) was für Leute, die noch nicht in den Aktiv-Ruhestand verabschiedet haben, mehr Mangelware ist (abgesehen von den Organisationstalenten, die ein Vielfaches an Tagespensum eines „Normalos“ absolvieren.

Diese Erkenntnis wäre zumindest eine Grundlage für eine fruchtbare Zusammenarbeit Aller. Dies gilt ebenfalls für Menschen, die aufgrund ihrer persönlichen Umstände sehr viel Zeit haben, aber wenig andere Mittel. „Gib uns Deine Zeit, für den Rest wird schon gesorgt werden“, dann würde viele viel entspannter funktionieren.

Deal?