Nov 22, 2015 - Meinung    Kommentare deaktiviert für Siri hat darauf keine Antwort

Siri hat darauf keine Antwort

Ich will mich nicht gewöhnen, dass Deutschland Teil einer Kriegsmaschinerie ist.

Ich will mich nicht gewöhnen, wenn der Spiegel schreibt, dass Deutschland endlich in der Normalität angekommen ist, wenn es sich an internationalen Kriegseinsätzen beteiligt. Die Beteiligung an Kriegen darf nie Normalität werden.

Ich kann es nicht glauben, das Verteidigungsministerin von der Leyen auf die Frage eines Journalisten, ob denn eine Fußball WM 2018 in Russland tatsächlich denkbar wäre, antwortet „Deutschland wird auf jeden Fall schießendes Personal schicken“.

Das ist nichts anderes als die Verharmlosung des Krieges.

Ich will mich nicht gewöhnen, dass in diesem Europa das Recht des Stärkeren gilt, wenn Hunderttausenden der Zugang zu Gesundheit Bildung und einem würdevollen Leben einfach verwehrt werden.

Ich will mich nicht daran gewöhnen, dass die Würde des Menschen antastbar ist. Denn die Würde des Menschen steht tagtäglich zu Zehntausenden bei der Tafel an, um unsere Reste zu essen. Die Würde des Menschen krepiert vor Lampedusa und die Würde stirbt im Krieg und zwar in jedem Krieg, weil der Krieg keine Würde kennt, nicht die der Täter und auch nicht die der Opfer.

Ich will mich nicht an die Barbareien der globalisierten Welt gewöhnen, die Ausplünderung armer Länder die Waffenlieferungen die Unterstützung brutalster Despoten und Diktatoren.

Ich will mich nicht in den Zynismus derer flüchten, die rufen: da kannste nichts machen, das war schon immer so.

Ich möchte mich nicht abfinden, dass es sowas wie Alternativlosigkeit gibt, weil es immer Alternativen gibt, weil es das Wesen der Demokratie ist, dass es sowas gibt wie Alternativen und ich möchte nicht in einer Welt leben, in der man tatsächlich glaubt, wenn jeder an sich denkt, dann ist an alle gedacht

Und ich möchte nicht in einer Welt leben, in der Menschen die solche Gedanken haben als Gutmenschen verspottet werden und verächtlich gemacht werden, ausgerechnet von denen, denen der Zynismus jegliche Empathie so zerfressen hat, dass ihre eigene Herzlosigkeit nur ertragen können indem sie andere verächtlich machen.

Ich möchte nicht, dass die die Deutungshoheit über die Moral bekommen, die keine haben. Es gibt die Unschuld des Nichtwissens nicht mehr.
Wir wissen, dass der Wohlstand auf unrecht aufgebaut ist. Wir wissen, dass wir die Erde zerstören, und wir können auch längst nicht mehr ignorieren, dass andere arm sind weil wir reich sind.
Wir werden uns nicht rausreden können mit dem immer gleichen „davon haben wir nichts gewusst“.

Nein, wir werden es gewusst haben und ich frage mich am Ende, was man über uns in 20, 30 Jahren sagen wird.

Wer werden wir gewesen sein? Die, die zugeschaut haben, wie schon so oft.

Werden wir die gewesen sein, die einfach weiter gemacht haben, weil es so bequem war?

Oder werden wir die gewesen sein, die gerade nochmal rechtzeitig die Kurve bekommen haben und die, die Reißleine gezogen haben, kurz als es noch nicht zu spät war?

Ich bin mir nicht sicher, aber eins weiß ich gewiss, Siri hat darauf keine Antwort.

Quelle: Christoph Sieber

Apr 21, 2015 - Allgemein    Kommentare deaktiviert für Ein Rant auf die Welt

Ein Rant auf die Welt

Es ist zum Kotzen. Ein schreckliches und höchst vermeidbares Flugzeugunglück reißt uns aus dem Alltag, Sondersendungen, jede Menge Fernsehteams und staatstragende Personen vor Ort. Der Fehler war unser Sicherheitswahn, der bislang nichts gebracht hat. Was ist die Lösung: Diese Verdachtsspeicherung auf Vorrat. Danke nicht. 600 bis 700 Menschen sterben in Deutschland alleine wegen im Leib von Patienten vergessener Tupfer und anderer Operationsmaterialien. Wo gibt es denn da eine Kontrolle? Sollten wir nicht jedem Arzt und anderen medizinischen Personal eine Kamera mit Mikrofon umhängen, live überwacht durch so ein hübschen Gesundheitsgefahren-Abwehrzentrum?

Das Flugzeugunglück wird zum Mahnmal mit Kölner Dom und was die Elite der Gesellschaft noch so bereithält für den Fall.

700 Menschen sterben einfach so am Tag im Mittelmeer, weil das Boot untergeht oder sonst was passiert. Tausende vor Ihnen und noch viele Menschen nach Ihnen. Und dann kreist da so ein Bötchen im Wasser, um notfalls Schiffbrüchige zu retten, falls man diese nicht übersehen kann.

Was sagt der Innenminister sinngemäß dazu: Wenn wir da zu sehr helfen, gibt es einen Sogeffekt. Dann kommen noch mehr, dann sterben noch mehr, selber Schuld. Gott, wie mich das ankotzt.

Unser ganzer Wohlstand beruht auf der Tatsache, dass es einen erheblichen Wertschöpfungsunterschied auf der Welt gibt. Unsere schönen Textilien zum Beispiel. Oder meint tatsächlich jemand, man könne ein T-Shirt für 3 Euro herstellen, bedrucken und transportieren und dann auch noch Geld daran verdienen. Finde den Fehler.

Wir exportieren bewusst unsere Lebensmittelabfälle (wir würde das Zeugs jedenfalls nicht mehr essen) z.B. nach Afrika, um auch da noch ein paar Euro Profit zu machen. Manchmal auch zu einem solchen Dumpingpreis, dass die Menschen ihre eigenen Produkte nicht mehr los und arbeitslos werden. Und zwar auf ewig. Und die Böden erodieren und zwar auf ewig und das Vieh findet auch nichts mehr zu fressen. Wir stehen ja bereit, um zu liefern. Ich könnte kotzen.

Ich möchte uns mal sehen, wenn hier alles zusammenbricht und wir gar keine andere Chance mehr haben, als irgendwo auf der Welt unser Glück zu suchen. Zumindest, um genug zum Trinken und Essen zu haben. Was bliebe denn als Alternative: sich aufhängen? Ins Wasser gehen?

Und dann kommen diese selbstgefälligen Vollidioten aus EU und Deutschland, erfinden Frontex und allerlei Sachen, damit Leute im Zaun hängenbleiben, verhungern und verdursten. Bitte gerne außerhalb unserer tollen Wohlstandsgrenze. Ich könnte kotzen.

Und was tun wir? Wir nehmen zur Kenntnis. Und wir haben Angst, dass uns diese armen Menschen ein wenig Platz wegnehmen. Und etwas anders sehen sie auch aus. Geld nehmen sich nicht weg, wir haben genug, wenn auch in den falschen Taschen. Wir versenken Milliarde um Milliarde in sinnlosen Staatsaffären, aber tun genau nichts, um die Kriegsgewinnler abzuschöpfen. Uns sei es nur die Lebensmittelmafia, die sich neue Märkte erschließt, auf dem sie unseren Dreck loswerden will.

Es ist so traurig.

Feb 5, 2015 - Allgemein, Datenschutz, International, Meinung    Kommentare deaktiviert für Was ist mit Facebook los?

Was ist mit Facebook los?

Eigentlich ist es fast jedermann klar, das Facebook hinsichtlich Klarnamenspflicht und Datenaggregation nicht den Verständnis des Datenschutzes zumindest aus deutscher Sicht folgt. Auch das Telemediengesetz (TMG) scheint Facebook wenig zu interessieren.

Aber nun geht Facebook – vermutlich getrieben durch wirtschaftlichen Druck – wirklich zu weit.

Die neuen Nutzungsbedingungen, die ab 1. Februar in Kraft getreten sind, erlauben Facebook die Beobachtung aller unserer Aktivitäten im Internet. Die Teilnahme bei Facebook ist sehr teuer geworden, denn wir bezahlen mit unsere Daten, auch so einer Art Bitcoins. 😉

Selbst das Europäische Datenschutzrecht, dass einen deutlich geringeren Standard als das BDSG (Bundesdatenschutzgesetz) aufweist, lässt die neuen Nutzungsbedingungen nicht zu, denn die notwendige Einwilligung erfolgt zwangsweise (sonst fliegt man aus Facebook heraus) durch ein fast marktbeherrschendes Unternehmen.

Warum muss sich Facebook wenigstens an das Europäische Datenschutzrecht halten? Nun, Facebook hat sich in Irland niedergelassen und unterliegt der Aufsicht des Data Protection Commissioner (DPC).

Dass es beim DPC in Irland um eine höchst unterausgestattete Behörde handelt, verwundert nicht. Datenschutz spielt in Irland keine große Rolle und wird eher als wirtschaftsschädlich angesehen.

Facebook hat einige Privacy-Einstellungen, die vorgaukeln, man können die Erweiterungen durch die neuen Nutzungsbedingungen abstellen. Dies ist wohl wirkungslos, da das Abwählen bei den Werbeeinstellungen nur weitere Profilbildungen nach sich ziehen (ähnlich wie bei der Beantwortung – Abbestellung – eines unseriösen Newsletters erhält man aus anderer Quelle erst recht mehr Spam).

Aus meiner Sicht ist die Zeit gekommen, um sich von Facebook endgültig zu verabschieden. Suchen wir lieber nach Alternativen wie Diaspora, Friendica, Ello, Path, Pheed u.a.. Manches können Piraten sogar selbst bauen.

Und wer aus „werblicher“ Sicht bei Facebook bleiben muss, sollte das so verdeutlichen und auf einer der Alternativen hinweisen bzw. verlinken. Die Abstimmung mit den Füßen ist meiner Meinung nach die einzige Antwort, die Zuckerbergs Bubble versteht.

Für Firefox gibt es übrigens ein hübsches Add-on: „Self-Destructing Cookies“.

Es zählt jeder noch so kleine Schritt.

Jan 28, 2015 - Allgemein, International, Meinung    Kommentare deaktiviert für Griechenland hat eine Linksregierung gewählt.

Griechenland hat eine Linksregierung gewählt.

Griechenland hat eine Linksregierung gewählt. Geht deshalb die Welt unter?

Nein, ganz und gar nicht. Die Leute haben das getan, was sie aus ihrer Sicht tun mussten, nämlich eine völlig falsche Politik abzuwählen.

I.

Dass Griechenland seinerzeit große wirtschaftliche Probleme (bekommen) hat ist unstreitig. Die sogenannten Rettungsmaßnahmen der Staaten der EU und der Weltbank haben aber zu folgendem Ergebnis geführt:

Die derzeitige tiefe (wirtschaftliche) Depression in Griechenland ist vergleichbar mit der Weimarer Zeit (Brüning) und war der Preis für die Rettung der Banken und Versicherungen, insbesondere in der EU.
Jetzt überlässt man den vorhersehbaren Schuldenschnitt dem Steuerzahler, der schon seit jeher vermutet, dass er wieder der Dumme ist.

Politiker, die nicht einmal die einfachsten wirtschaftlichen Zusammenhänge verstehen, haben die Bevölkerung Griechenlands ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Dies konnte nur geschehen, weil eine korrupte Bande von Regierungs- und Parteimitgliedern dabei geholfen haben, die auch „nur“ ihre Vermögen retten wollten.

Soll Griechenland wieder auf die Beine bekommen, bedarf es einer erheblichen Erhöhung der Nachfrage, zu Deutsch die Leute benötigen Geld z.B. durch Arbeitsplätze mit einer angemessenen Bezahlung.

II.

Jede Rendite wird ausschließlich von den Leuten erwirtschaftet, die Produkte und Dienstleistungen kaufen und Steuern zahlen.

Denn letztlich kann Rendite auch über Staatsanleihen nur funktionieren, wenn es Schuldner gibt, also jemanden der Geld ausgibt, auch wenn er es sich leihen muss. Dazu bedarf es der wirtschaftlichen Voraussetzungen, z.B. einer minimalen Bonität wie einen festen Arbeitsplatz.

Kein Unternehmer investiert und beschäftigt Arbeitnehmer, wenn es keine Aussicht auf Umsatz gibt, der tatsächlich bezahlt wird. Da nützt es auch nicht den „Markt“ mit Geld zu fluten, das ohnehin nur in Wertpapieren angelegt wird, um die Kurse in die Höhe zu treiben anstatt in Investitionen, z.B. in die Infrastruktur.

III.

Natürlich ist es nur mehr als angemessen, dass hohe Vermögen – insbesondere Geldvermögen – angemessen besteuert werden. Dazu ist die Frage zu stellen, wie diese Vermögen entstanden sind. Hier kann eine Offenlegung der Konten hilfreich sein.

So, wie schon heute der Fluss des Bargeldes kontrolliert wird, kann man auch hier nachfragen, woher große Geldmengen stammen.

Sep 2, 2014 - Allgemein, International, Meinung    Kommentare deaktiviert für Europas neue Mauer

Europas neue Mauer

Nun, die Piraten haben wieder einmal eins auf die Nase bekommen, Landtagswahl in Sachsen. Vielleicht liegt es ja an den revolutionären Themen? Ach was.

All diese Dinge, die uns wirklich bewegen sollten, interessiert offensichtlich niemanden von unseren Wahlkampfstrategen.

Zum Beispiel der nicht endende Nahostkonflikt, der aus Macht- und Geldgier immer wieder entflammt wird.

Und selbst als es anfängt, vor unserer Haustür zu brennen – nichts.

Was wird in Europa passieren? Meine Prognose ist, dass es bald wieder einen eisernen Vorhang geben wird, weil Russland zu lange nicht ernst genommen wurde. Welches Riesenreich würde sich diese Demütigung gefallen lassen?
Da zeigt man doch Stärke und geht ein gut kalkulierbares Risiko ein. Und die Ukraine ist ein gutes Testobjekt. Die Außengrenzen der EU nach Osten bzw. die Grenzen der baltischen Staaten werden die neue Mauer sein. Russland grenzt sich zum „Westen“ hin ab, es wird wieder aufgerüstet und bald haben wir einen neuen Doppelbeschluss, 1979 lässt grüßen. Status quo, Jalta und Potsdam lassen grüßen.

Darauf werden wir uns einzustellen haben. Die konservativen Regierungen in Europa garantieren dies, der politische Rechtsruck in Deutschland überstützt dies ohnehin.

Denn in dieses Kreisen wird an Krisen und Krieg sehr gut verdient – wie im Nahen Osten. Krise ist Geschäft, nichts weiter. Ängste schüren ist Geschäft.

Gut, Gas und Öl werden dann „etwas“ teurer, aber die Rechnungen zahlt ohnehin der kleine Mann.

Diskutieren wir als Piraten diese geopolitische Fragen irgendwo? Natürlich nicht. Vielleicht nur noch nicht. Man sollte zu einer Konferenz nach Potsdam laden.

 

Mai 13, 2014 - Allgemein    Kommentare deaktiviert für Die fünf Jahre sind voll :-D

Die fünf Jahre sind voll :-D

Fünf Jahre bei den Piraten und so viel mitgemacht. Wer ist nicht alles gekommen und gegangen. Wie viele Freundschaften hat man gefunden und wie viele Feindschaften, Neid und Missgunst.

Mein Fazit als Piratenurgestein ist – und das wird manche wundern – bisher hat sich das gelohnt. So viele Baustellen waren zu bearbeiten, Gliederungen und AGs aufzubauen, tausende an Konferenzen (vorwiegend auf Mumble) durchzuführen. Das kann man zu Recht als Pionierarbeit verbuchen – und alles ohne wesentliche Finanzmittel Dritter.

Ich habe in den letzten zweieinhalb Jahren fast 300 auswärtige Termine absoviert, davon 11 Termine im Ausland.

Die Piratenbewegung steht nach fünf Jahren besser da als wahrgenommen wird. Die PPI als internationale Plattform findet ihren Platz, die PPEU wurde als paneuropäische Partei gegründet und wir ziehen mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder ins Europaparlament ein – und das mit deutscher Beteiligung.

2009, das waren rund 1.000 Mitglieder jetzt sind es rund 29.000, statt 5 rund 200 Gliederungen (mit ca. 1000 Vorstandsmitgliedern). Es gibt nunmehr rund 70 mehr oder weniger aktive Bundes-AGs mit über 1500 aktiven Mitgliedern und vieles mehr an Landes-AGs.

Im 2009 für uns entdeckten Mumble werden täglich viele Konferenzen abgehalten, teilweise mit mehr als 700 Teilnehmern.

Sogar die Finanzlage wurde erträglich, auch wenn sie nach wie vor einer starken Verstärkung bedarf.

Sicherlich, es gibt Lagerbildung und Querelen, die öffentlichkeitswirksam ausgetragen werden, es gibt Inkompetenz und Boshaftigkeit. Es gibt Unterwanderungsversuche, es gibt viele Kräfte, die uns nicht wohl gesonnen sind. Das muss man vermutlich aushalten. Die Antwort kann nur Solidarität unter den Willigen lauten und Ignoranz gegenüber den Unwilligen und Trollen. Gegebenfalls darf man auch jemanden die rote Karte zeigen.

Was mich wirklich freut, sind die vielen Piraten im In- und Ausland, mit denen man etwas anfangen kann, die sich vertrauen und noch viel miteinander für die gesellschaftlichen Grundüberzeugungen tun werden. Lassen wir es die nächsten fünf Jahre krachen.

Mrz 29, 2014 - Allgemein    Kommentare deaktiviert für Gründung der PPEU

Gründung der PPEU

Eine neue politische Kraft hat das Licht der Welt erblickt. Der Gründungsprozess der European Pirate Party (PPEU) wurde am 21.03.2014 in Luxemburg mit der Wahl des ersten Vorstandes abgeschlossen. Rund 300 Gäste waren anwesend.

Zwei Jahre intensive Verhandlungen über Statuten, dem Grundsatz-Manifest und einem Grundsatzprogramm mit einer hohen Reisetätigkeit wurden erfolgreich beendet.

Die Frage, die offen bleibt ist, wie sich die PPEU entwickeln wird. Die Vorstandswahlen liefen streng dirigistisch ab, eine Aussprache war nicht erwünscht und Rederecht hatten – wenn überhaupt – nur die Delegierten. Der Verlauf der Veranstaltung wurde weder online dokumentiert, noch hatten alle Teilnehmer Zugang zur Agenda.

Nur mit Mühe konnte man erfahren, wie die Abstimmungen ausgegangen sind.

Eine Online-Teilnahme von Piratenparteien (remote delegates) war nicht möglich. Das war ein großer Unterschied zum bisherigen Ablauf der Sitzungen. Dies deutet auf eine Art Verwaltungs-PPEU hin, die mit politischer Arbeit wenig zu tun haben wird, auf die einige der jetzt gewählten Vorstandsmitglieder von Anfang an gegen die große Mehrheit der Gründungsmitglieder hin gearbeitet haben.

Eine PPEU kann aber nur Erfolg haben, wenn sie jeden Piraten mitnimmt. Erst dann kann sich eine paneuropäische Institution entwickeln, die es bis jetzt so nicht gibt.

Die Entscheidungen des Bundesvorstandes der Piratenpartei Deutschland zu Delegierten und Vorstandskandidaten waren wider unseren Grundsätzen und Anspruch auf Transparenz und Teilhabe. Auf Nachfrage, wie denn diese Entscheidungen begründet werden, kam die kühle Antwort, dass man zu „Personalfragen“ grundsätzlich keine Stellung nehmen wird.

Dass ein halbes Jahr Vorlauf zur Gründungsveranstaltung nicht ausreichen soll, Kandidaten und Delegierte zumindest vorzustellen und eine Aussprache zu veranstalten, um dann in einer öffentlichen Sitzung zu einer abschließenden Meinungsbildung zu kommen, ist völlig unverständlich. Selbst die eigenen Ausschreibungsfristen wurden ignoriert.

Auch der „angeordnete“ Fraktionszwang, dass die Delegierten nur einstimmig die Vorgaben des Bundesvorstandes zu vertreten haben, war mehr ein Armutszeugnis. Das ist genau das Verhalten, das wir allen anderen Parteien als Vetternwirtschaft vorwerfen.

Hier muss sich in der Zukunft eine Menge ändern.

 

 

 

Mrz 3, 2014 - Allgemein    Kommentare deaktiviert für Gates ohne Ende

Gates ohne Ende

Seit dem Bundesparteitag in Bochum Ende des Jahres gärt ein Streit in der Piratenpartei inwieweit man sich sich extremistischen Positionen abzugrenzen hat.

Dieser Streit hat auch die Marina Kassel am ersten Märzwochenende beherrscht.

In der Nacht haben einige Piraten ein Manifest ausgearbeitet, das letztlich nicht zur Abstimmung gestellt wurde, aber für die Nachwelt erhalten bleiben sollte:

„Wir Piraten stehen seit jeher für eine Gesellschaft, die frei ist von
Repressalien und Unterdrückung.
Basis unseres demokratischen Miteinanders ist die Bekenntnis zum
Grundgesetz und zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung.
Jegliche Form von Gewalt als politisches Mittel lehnen wir entschieden
ab, sei sie physischer, psychischer oder sozialer Natur.
All diese Grundsätze wollen wir nicht nur nach außen hin vertreten,
sondern insbesondere auch innerhalb der Partei aktiv leben.
Piraten, die andere Menschen bedrohen, erpressen oder in anderer Form
Gewalt gegen Menschen anwenden, gleichgültig, ob diese Mitglieder
unserer Partei sind, oder nicht, dulden wir nicht in unseren Reihen. Sie
haben ihr Recht auf Mitgliedschaft in der Piratenpartei verwirkt, in dem
Moment, in dem sie zu derartigen Mitteln gegriffen haben.
Wir als Landesvorstände fordern unsere Mitglieder auf, sich an ihre
zuständigen Landesverbände zu wenden, wenn sie sich Bedrohungen,
Erpressungen oder Gewaltanwendungen ausgesetzt fühlen. Wir sichern allen
Piraten, die sich an uns wenden, absolute Vertraulichkeit zu und stehen
für ihren Schutz ein.

Kassel, 01.03.2014

 

Feb 24, 2014 - Allgemein    Kommentare deaktiviert für Die fünf Jahre sind noch nicht voll

Die fünf Jahre sind noch nicht voll

„Fast fünf Jahre“ hatte ich im Dezember geschrieben und mir für 2014 gewünscht, dass mehr Soildarität gezeigt werden sollte.

Nun gibt es Durchhalteparolen weil #Flaggengate #Bombergate #Orgastreik zu viel des Guten ist.

Könnte mal bitte diejenigen, die mitten im öffentlichen Leben stehen, auf ihre Außenwirkung achten? Und könnten bitte mal diejenigen es unterlassen, mediale GAUs auch noch zu rechtfertigen, nur weil jemand aus der eigenen Filterbubble Amok läuft?

Und könnten sich mal die Landesvorsitzenden zusammen setzen und mit der Faust auf den Tisch hauen, wenn ein Bundesvorstand maximal butterweiche Statements von sich gibt,

Sonst wird nix mit „Antreten statt Austreten“.

Danke

 

 

Dez 22, 2013 - Allgemein    Kommentare deaktiviert für Eine Bilanz nach fast fünf Jahren

Eine Bilanz nach fast fünf Jahren

Liebe Leser!

Als ich Anfang 2009 auf die Piratenpartei aufmerksam wurde, war Europawahlkampf. Mich hat der Ansatz interessiert, Politik neu zu gestalten und dass ein unverstellter Blick genügt, viele alten Zöpfe abzuschneiden.

Nun fast fünf Jahre später ist es an der Zeit Bilanz zu ziehen.

Die Piratenpartei hat viele Stärken: Über 30.000 Menschen sind mehr oder weniger Mitglied und wirken an sehr vielen Stellen mit. Sei es in Parlamenten, Gliederungen, Vorständen, Arbeitsgemeinschaften, Interessengruppen, internationaler Zusammenarbeit. Die Hierarchie ist denkbar überschaubar (zumindest oberflächlich betrachtet).

Die Piratenpartei hat sich programmatisch weit aufgestellt, manche meinen zu weit. Die von vielen Piraten verhasste Struktur dient dem Zusammenhalt und der Sammlung von Arbeitsergebnissen – insgesamt ein zäher, aber aufregender Prozess.

Aber die Piratenpartei hat auch viele Schwächen: Statt sich auch den politischen Gegner zu konzentrieren, werden innerparteiliche Kämpfe ausgetragen. Fast jede Ressource muss erkämpft werden – Rechteinhaber machen hemmungslos von ihren Rechten Gebrauch, um den vermeintlichen Gegner zu behindern oder den Garaus zu machen. Der menschliche Umgang ist niederschmetternd. Überall scheint es Leute zu geben, die nichts Besseres zu tun haben, als Kompromat zu suchen, Dossiers anzulegen und Gerüchte in den Umlauf zu setzen. Das führt dazu, dass man geradezu gezwungen wird, sich in einer Art Rechtfertigungsspirale abzusichern und immer Aktenlage zu schaffen, damit man jederzeit seine Unschuld beweisen kann.

Und was fast noch schlimmer ist: Die Community weidet sich daran, anstatt dem strikt entgegen zu wirken. Die sogenannten Popcornpiraten waren so eine Spitze des Eisberges.

Wenn man wirklich Wandel in der Gesellschaft möchte, kann man das nur mit Solidarität erreichen – das sollte ein Gebot der Stunde sein und ein Ansporn für 2014.

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