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Der Homo Deus 

Von Evolution über Religion bis hin zu Wissenschaft, Technologie und sogar künstlicher Intelligenz hat es der Mensch so weit gebracht, dass ihn nichts mehr zu stoppen scheint. Doch schaufeln wir uns am Ende mit diesem letzten Entwicklungsschritt unser eigenes Grab?

Die Agenda der Menschheit ändert sich abhängig von den Problemen, die sich ihr stellen

Schon immer hat die Menschheit den Gesetzen des Fortschritts und der Entwicklung gehorcht. Wir haben nach den Sternen gegriffen und sind zum Mond gereist. Wir haben Methoden entwickelt, um Hunger und Krankheiten zu bekämpfen und nach Wegen gesucht, weniger Kriege gegeneinander zu führen. Mit jedem Schritt tun sich für den Menschen neue Herausforderungen und Ziele auf.

Zwischen 1692 und 1694 starben in Frankreich etwa 15% der Bevölkerung, also 2,5 Millionen Menschen, durch Hunger. Und in den 1330er-Jahren fielen zwischen 75 und 200 Millionen Menschen in Eurasien dem berühmten Schwarzen Tod zum Opfer. Das war etwa ein Viertel der gesamten Bevölkerung.
Heute haben wir diese Probleme größtenteils im Griff. Dank Impfstoffen, Antibiotika und verbesserter Hygiene stirbt heute kaum noch jemand an der Pest und auch von anderen Epidemien sind weit weniger Menschen betroffen. An Ebola z.B., eine unserer ernstzunehmenden modernen Epidemien, starben weltweit „nur“ 11.000 Menschen.

Auch weitreichende Hungersnöte gibt es in den meisten Regionen nicht mehr, und wenn, dann sind sie nicht auf Naturkatastrophen, sondern politische Konflikte zurückzuführen. Inzwischen ist es wahrscheinlicher, an Übergewicht zu sterben als an Hunger.

Kriege sind ebenfalls eher Ausnahme- als Normalfall: In antiken Gesellschaften war menschliche Gewalt für 15% der Todesfälle verantwortlich – heute liegt der Prozentsatz bei unter 1%, sogar der Prozentsatz für Selbstmord und Diabetes liegt höher.

Sehr wenige von uns leiden also heute noch unter Hunger, Armut und Krieg. Der Großteil der Menschheit hat Zeit und Muße, sich anderen Zielen als dem unmittelbaren Überleben zuzuwenden und kann etwa daran arbeiten, dass wir länger und glücklicher leben. Und wir sind auf dem Weg: Durch die Medizin haben wir unsere Lebenserwartung bereits verdoppelt.

Nicht unser Bewusstsein, sondern unsere Fähigkeiten haben uns zur überlegenen Spezies über die anderen Lebewesen erhoben. Der Mensch hat die Welt erobert, indem er sich die Natur und die Tiere untertan gemacht hat. Aber wie konnte er so stark werden?

Doch wie hat der Mensch es eigentlich hierhergebracht?

Während der Geschichte der Menschheit haben vor allem zwei Revolutionen das Verhältnis vom Menschen und seiner Umwelt verändert. Als unsere Vorfahren noch Jäger und Sammler waren, sahen sie Pflanzen und Tiere auf ähnlicher Stufe wie sich selbst, als Teil der Natur. Während der landwirtschaftlichen Revolution, als unsere Vorfahren sesshaft wurden, wurden die Tiere allerdings zu niederen Geschöpfen: Der Mensch fing an, sich Tiere und Pflanzen nutzbar zu machen.

Mit der wissenschaftlichen Revolution und dem Aufkommen des Humanismus hat der Mensch es endgültig zur Vorherrschaft in der Welt gebracht: Seitdem erforscht, versteht und ordnet er diese Welt.
Die Vorstellung, dass die Natur und die Tiere hauptsächlich dazu da sind, den Menschen zu ernähren, blieb bestehen.

Aber was waren eigentlich die Faktoren und Fertigkeiten, mit welchen sich die Gattung Mensch an die Spitze der Evolution stellen konnte und die uns glauben machten, dass wir die Tiere so behandeln können? Viele denken gern, dass wir uns durch unsere einzigartige „menschliche Seele“ und unser spezielles Bewusstsein hervorheben. Es konnte allerdings noch kein Wissenschaftler nachweisen, was dieses Bewusstsein überhaupt ist und ob es sich von dem der Tiere unterscheidet.

Der Mensch hat es also eher durch seine Vorstellungskraft und seine Fähigkeit, flexibel zu kooperieren, so weit gebracht.

Wir Menschen sind vermutlich die einzigen Lebewesen, die sich abstrakte Konzepte wie einen Gott, Moral oder Zinsen vorstellen können. Diese Vorstellungen verweben wir in der Gesellschaft zu einem Sinngeflecht, das als eine dritte Realität existiert. Neben der subjektiven Realität jedes Individuums und der objektiven Realität, die z.B. durch die Schwerkraft existiert, bildet das menschliche Sinngeflecht die sogenannte intrasubjektive Realität mit Aussagen wie: „Es ist nicht moralisch, Leute zu berauben“.

Dieses Sinngeflecht hat einen enorm wichtigen Effekt: Es ermöglicht uns nämlich, mit extrem vielen Menschen sehr flexibel zu kooperieren. Das Maß an erfolgreicher Kooperation bestimmt den Lauf der Geschichte, und der ist bisher sehr zu unseren Gunsten ausgefallen.

Mithilfe von Geschichten, die unsere Realität und Wahrnehmung beeinflussen, veränderte der Mensch seine Welt

Der Sinn zur Kooperation hat uns also einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Aber wie äußert sich dieses kooperative Sinngeflecht? In den Geschichten, die wir miteinander teilen und über die wir auch unsere Werte teilen. Diese geteilten Narrative haben die Macht, die Ziele einer Gesellschaft und damit die Realität selbst zu verändern.

Ein Beispiel für eine solche Veränderung ist das Schulsystem: Irgendwann beschlossen die zuständigen Stellen, dass Kinder ab sofort Noten in den verschiedenen Fächern erhalten sollten. Sobald sich das System durchgesetzt hatte, erschien es den Menschen ganz selbstverständlich, dass ein Mensch „besser in Mathe“ oder „schlechter in Sport“ sein könnte als ein anderer, und dass sich diese Eigenschaft als Zahl abbilden lässt.
Der Glaube an diese Idee veränderte das Leben und Selbstverständnis der Schüler. Ab diesem Zeitpunkt ging es nicht mehr darum, etwas zu lernen, sondern darum, gute Noten zu schreiben.

Ähnlich steht es mit einem anderen gültigen Narrativ der intrasubjektiven Realität: der Religion.
Religionen ordnen die Gesellschaft und geben ihr Zusammenhalt. Man könnte vermuten, dass sie durch den heutigen wissenschaftlichen Fortschritt durch andere Narrative abgelöst werden könnten – doch religiöse Narrative haben auch heute eine enorme Macht, sie haben nur eine andere, überraschende Form angenommen.

Die Wissenschaft ist zwar in der Lage, Fakten zu überprüfen, kann aber längst nicht alles erklären und noch weniger moralische Urteile fällen. Religionen hingegen sind für die moralische Orientierung unerlässlich. Sie kennzeichnen den Glauben an einen bestimmten Gesetzescodex, der über dem menschlichen Dasein existiert.

Insofern sind unter „Religion“ auch alle Weltanschauungen zu verstehen, die uns moralische Orientierung geben, also z.B. auch Kapitalismus, Kommunismus oder Nationalsozialismus.

Die Wissenschaft hat uns also Freiheit und Macht geschenkt, aber sie hat uns den Sinn des Lebens genommen. Daher brauchen die Menschen eine Art religiöse Anschauung, nicht nur, um die gesellschaftliche Ordnung aufrechtzuerhalten, sondern auch, um Antworten auf höhere Fragen zu finden.

Unser moderner Glaube an das ständige Wachstum und den Humanismus ist zentral für unsere Gesellschaft.

Auch wenn wir in einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft leben, lassen sich also noch immer religiöse Anschauungen und Wertesysteme entdecken, an die wir kollektiv glauben. Momentan sind das Wirtschaftswachstum und Humanismus.

Heute ist der größte Teil der Gesellschaft in dem Glauben vereint, dass die Wirtschaft immer weiterwachsen muss und wir glauben, dass mehr Konsum uns glücklicher macht. Aber ist dieses Wachstum wirklich das Nonplusultra?

Das Wirtschaftswachstum hat uns zugegebenermaßen weit gebracht, aber irgendwann wird es nicht mehr möglich sein, weiter zu wachsen. Denn es droht dann ein ökologischer Kollaps, unter dem vor allem diejenigen in unserer Gesellschaft leiden würden, die ohnehin schon benachteiligt sind. Die Privilegierten könnten sich in geschützte Bereiche zurückziehen, wohingegen die Benachteiligten noch stärker um Nahrung und Geld kämpfen müssten.

Warum rennen dann so viele freiwillig und aus Überzeugung in diesem Hamsterrad mit?

Das macht nur jemand mit, der auch einen ideologischen Überbau zur Verfügung hat, welcher dem emsigen Treiben einen Sinn verleiht. In unserer Gesellschaft ist das der Humanismus.

Humanismus bedeutet, dass wir an die Menschenrechte, die Menschlichkeit und unsere individuellen Gefühle glauben. Die menschlichen Gefühle haben Gott als oberste Autorität ersetzt. Im Mittelalter gewannen unsere Vorfahren Wissen, Antworten zum Sinn des Lebens und Wertevorstellungen aus der Bibel: Wenn sie sich unsicher waren, fragten sie den Pfarrer. Heute gewinnen wir Wissen aus empirischen Daten und Mathematik und bei Fragen nach Wert und Sinn vertrauen wir auf unser Gefühl und unser Gewissen als Menschen.

Heute regelt die humanistische Einstellung jeden Bereich unseres Lebens, denn unsere Gefühle geben nicht nur unserem Privatleben einen Sinn, sondern auch gesellschaftlichen und politischen Fragen. In demokratischen Wahlen etwa befragen die Wähler ihr eigenes Gewissen, was wohl für das Land das Beste wäre, und in der Wirtschaft regieren heute der freie Wille und die Sehnsüchte des Käufers, wie der Markt sich entwickelt.

Das sind die Gesetze des Liberalismus, der unsere heutige Gesellschaft beherrscht. Doch wie kam es zu dieser Vormachtstellung und wie sieht es mit der Zukunft dieser Form des Humanismus aus?
Der Liberalismus ging als Sieger unter den Ideologien des 20. Jahrhunderts hervor, wird jedoch demnächst abgelöst werden.
Der Humanismus, meistens in Gestalt des Liberalismus, ist das aktuell geltende, moderne Weltbild
Doch Glaubensprinzipien haben sich schon immer verändert und wurden irgendwann abgelöst. Der Humanismus wird dabei keine Ausnahme sein.

Während des 20. Jahrhundert spaltete sich der Humanismus in drei verschiedene Glaubenssysteme auf, die fortan um die Vorherrschaft in der Welt kämpften: Liberalismus, Sozialismus und Nationalsozialismus.

Der Liberalismus geht davon aus, dass jedes Wesen ein einzigartiges Individuum ist, das möglichst viel Freiheit braucht, um den größtmöglichen Wohlstand zu erzeugen.

Der Sozialismus hingegen hält nicht die Gefühle und Erfahrungen des Einzelnen für entscheidend, sondern die der Gemeinschaft.

Der Nationalsozialismus, der auch als evolutionärer Humanismus bezeichnet werden kann, geht von der These aus, dass einige Menschen besser sind als andere, und Konflikte und Kriege nötig sind, um die natürliche Auslese zu beschleunigen, und dazu beitragen, dass irgendwann der Übermensch entsteht.

Der Zweite Weltkrieg sowie der Kalte Krieg und all deren Stellvertreterkriege waren im Prinzip nichts anderes als humanistische Religionskriege, aus denen der Liberalismus erst 1989 als Sieger hervorging.

Die rasante Entwicklung der Menschheit wird allerdings die Religion des Liberalismus schon bald obsolet machen, denn neue Technologien erschaffen neue Götter. Daher haben wir jetzt eine andere Vorstellung vom Paradies und andere Ideale als unsere Vorfahren noch vor 100 Jahren – und daher werden auch die revolutionären Technologien des 21. Jahrhunderts bisher unbekannte „religiöse“ Bewegungen hervorbringen.

So wird die Künstliche Intelligenz z.B. eine ganze Klasse von Menschen arbeitslos machen und die Menschen der Zukunft müssen an etwas Neues glauben, um ihrem Leben Sinn zu verleihen. Was genau wird aber passieren, wenn wir die menschliche Erfahrung selbst zu einem ganz gewöhnlichen Produkt machen, das jeder im Supermarkt kaufen kann?

Wie jede Religion stellt der Liberalismus nicht nur moralische Regeln auf, sondern auch Faktenbehauptungen, die mitunter widerlegt werden. Er geht z.B. davon aus, dass der Mensch ein Individuum mit einem Ich und einem freien Willen sei und somit jede Person diesem freien Willen möglichst ungehindert folgen und ihr einzigartiges Ich entfalten darf. Der freie Wille und das Ich sind also grundlegende Voraussetzungen für den Liberalismus.

Die Wissenschaft stellt derzeit die philosophischen Grundlagen des Liberalismus infrage

Die Wissenschaft ist gerade dabei, das liberale Paket aus Individualismus, Menschenrechten, Demokratie und freiem Markt zu untergraben, indem sie die Faktenbehauptungen des Liberalismus ins Wanken geraten lässt.

Wenn es etwa möglich ist, im Hirn geformte Wünsche mit Medikamenten, Gentechnik oder Gehirnstimulation zu manipulieren oder sogar zu kontrollieren, bedeutet das, dass es keinen freien Willen gibt.

Das US-Militär und Ärzte sind eifrig dabei, diese Möglichkeiten auch beim Menschen zu erforschen; so helfen z.B. heute schon Elektroden im Gehirn dabei, eine posttraumatische Belastungsstörung oder Depressionen zu überwinden.

Zur Frage des Ich ist sich die Psychologie heute einig, dass jeder von uns zahllose innere Stimmen besitzt, die sich in einem Bewusstseinsstrom abwechselnd zu Wort melden. Die Frage ist nicht, welche dieser Stimmen wir sind, sondern auf welche wir hören. Das Ich ist somit nur eine Geschichte, die wir erfinden, um unserem Leben Sinn zu verleihen.

Die philosophischen Grundpfeiler des Liberalismus werden also gerade ad absurdum geführt. Doch was kommt als nächstes? Wir haben es demnächst mit einer ganz anderen Gefahr zu tun: der Technologie.

Immer mehr Algorithmen und Technologien werden unsere Gesellschaft bestimmen

Dank der Entwicklung von künstlicher Intelligenz werden viele Berufe in der Produktion, die derzeit von Menschen ausgeführt werden, vollkommen unnötig werden. Was tun wir mit all jenen, die dann keine Arbeit und Beschäftigung mehr haben?

Zwar wird es genügend Nahrungsmittel und Konsumgegenstände geben, um alle zu versorgen, aber woher sollen Milliarden von Menschen das Geld bekommen, um diese zu erwerben, wenn ihre Arbeitskraft überflüssig ist? Sie könnten dazu genötigt werden, Drogen und Computerspiele zu verkaufen. Oder ein noch drastischeres und schwärzeres Szenario wäre, dass sich die KI selbst der für sie „nutzlosen“ Menschen schnellstmöglich entledigt.

Die Macht verschiebt sich also schon heute, ganz unauffällig und aufgrund zahlloser einzelner, scheinbar harmloser und individueller Entscheidungen zu den Systemen, die über die meisten und besten Daten verfügen.

Technologien werden immer mehr Entscheidungen für uns treffen. Daher könnten wichtige Player in dem zukünftigen Machtgefüge Datenriesen und Technikkonzerne wie Google, Facebook, Amazon oder Apple („The big Four[1]) werden. Durch ihre Systeme und Produkte wissen sie tatsächlich jetzt schon genau über unser Leben Bescheid.

Gut möglich, dass du in einigen Jahren Google fragen wirst, ob du Peter oder besser Paul heiraten solltest, weil Google dich und die beiden besser kennt als irgendjemand sonst. Eine Studie aus dem Jahr 2015 von drei Forschern der Cambridge-Universität ergab, dass ein Facebook-Algorithmus anhand von 300 „Likes“ bereits in der Lage ist, die Antworten einer Person auf einem Persönlichkeitsfragebogen besser vorauszusagen als der Ehepartner der Person.

Wenn der Mensch also in der Zukunft seinen Platz immer mehr mit den von ihm selbst geschaffenen Technologien teilen muss und der Humanismus ausgesorgt hat, welche neue Ideologie könnte das Vakuum unserer dabei abhandenkommenden Glaubenssysteme auffüllen und dem Leben unserer gottgleichen Nachkommen wieder Sinn verleihen?

Vermutlich wird der Techno-Humanismus ein Bestandteil unserer neuen Ideologie sein

Es gibt zwei mögliche zukünftige Ideologien: den Techno-Humanismus und den Dataismus.

Techno-Humanismus bedeutet, dass Menschen mithilfe der Technik den sogenannten Homo Deus erschaffen werden, ein Wesen, das menschliche und technisch optimierte Fähigkeiten kombiniert. Wir hätten es somit mit einer aktualisierten oder erweiterten Variante des evolutionären Liberalismus zu tun.

Wie wird der Homo Deus konkret aussehen?

Die Technik wird uns vermutlich in der Zukunft bisher unbekannte mentale Zustände ermöglichen.
Wenn wir unsere Körper mit Technologien verschmelzen lassen, können wir selbst so genau wie Algorithmen werden. Und das passiert sogar schon: Die US-Armee entwickelt derzeit einen Aufmerksamkeitshelm. Er sendet elektrische Signale an bestimmte Areale im Hirn, wodurch die Soldaten sich besser auf konkrete Aufgaben konzentrieren und im Ernstfall schnellere Entscheidungen treffen sollen. Aber wo bleibt die Empathie und der menschliche Zweifel?

Wenn wir anfangen, nur in Technologien zu investieren, die bestimmten ökonomischen oder politischen Zwecken dienen, laufen wir natürlich Gefahr, dass wir unser Wesen und unsere Menschlichkeit verlieren. Und wenn wir versuchen, unseren Geist zu upgraden und das Bewusstsein 2.0 zu erlangen, wäre es gut möglich, dass wir uns etwa intelligenter und kommunikativer machen, aber Fähigkeiten, die uns Menschen ausmachen, wie Empathie, Achtsamkeit oder unsere Neigung zum Träumen, unter den Tisch fallen und der Mensch dadurch zu einem anderen Wesen wird.

Eine andere mögliche Strömung, der Dataismus oder auch Datenreligion, hingegen ersetzt den Menschen als zentrale Autorität völlig durch etwas Anderes: die Information.
Der Dataismus ist eine wachsende Weltsicht, die dem Menschen zunehmend seine Existenzberechtigung streitig macht.

Datenreligion oder Dataismus geht im Gegensatz zum Techno-Humanismus davon aus, dass die Menschen ihre kosmische Aufgabe beendet haben und jetzt das Zepter an die Algorithmen übergeben sollten. Laut Dataismus ist alles, was existiert, entweder selbst Datenmaterial oder eine Methode zur Datenverarbeitung, wodurch die Grenze zwischen Lebewesen und Maschinen eingerissen wird.

Religion und Ideologie haben eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft gespielt. Es ist gut möglich, dass wir in der Zukunft, wenn Algorithmen intelligentere Entscheidungen treffen als wir, der Religion des Dataismus angehören werden. Dadurch wird unsere Gesellschaft sich grundlegend verändern und langfristig vielleicht das Ende der Menschheit einläuten.


[1] Der Terminus „The Big Four“  wurde jetzt durch Hinzufügen von Microsoft in „The Big Five“ verändert.
[2] Dieser Artikel wurde durch das Buch „Homo Deus“ von Yuval Noah Harari inspiriert.

Zum Nachhören:
https://owncloud.ag-technik.de/s/sQ9oB8CTsggAXRN